Von Hanjo Spang, Seelsorger für Alten- und Pflegeheime
Spiritualität wird meistens mit einem bewussten geistigen Vorgang verbunden. Deswegen scheinen sich Spiritualität und Demenz auf den ersten Blick auszuschließen.
Doch bei einem Seminar, das die Spiritualität von Menschen mit Demenz zum Thema hatte, wurden auch andere Aspekte für mich wichtig. Heute möchte ich meinen persönlichen Ertrag aus diesem Seminar vorstellen:
Zunächst einmal ist Spiritualität ein breit gefächertes Phänomen. Alle menschlichen Sinne können ein Einfallstor für spirituelle Erfahrungen sein. Sinn erfahren kann man zum Beispiel durch achtsame Berührungen, durch tiefgehende Begegnungen mit anderen Menschen, in der Natur, durch Musik, durch Kunstwerke, beim Betrachten der Sterne oder durch die Auseinandersetzung mit Philosophie oder Religion. Spirituelle Erfahrungen kann man unabhängig von deren intellektueller Verarbeitung machen.
Manche Menschen mit Demenz haben das Gefühl, der Gesellschaft nichts Wertvolles mehr geben zu können oder für andere nur noch eine Belastung zu sein. Es kommt dann schnell die Frage, ob man noch eine Bedeutung oder einen Wert hat. Diese Menschen können aber spüren, ob sie noch irgendwo dazugehören und angenommen sind. Beides sind Grundbedürfnisse von Menschen - mit oder ohne Demenz. Dieses Spüren ist auch eine spirituelle Erfahrung.
Spiritualität in all seiner Breite ist so wichtig, dass die Leiterinnen des Seminars im Zusammenhang mit Altenpflegeheimen von einem „Recht auf spirituelle Angebote“ gesprochen haben.