Von Hanjo Spang, Seelsorger für Alten- und Pflegeheime
Sie wird romantisch verklärt in vielen Liedern besungen, täglich tausendfach versprochen und auch gelebt.
Manche gehen davon aus, dass Liebe eine Energie ist, die das ganze Universum durchdringt. Doch was ist Liebe genauer betrachtet? Liebe ist erst einmal ein Gefühl: Viele kennen das Verliebtsein oder fühlen sich zu jemand anderem hingezogen. Ein Gefühl ist in der Intensität schwankend und kann sterben. Liebe ist aber genauso eine Tat. Sie drückt aus: „Ich will, dass du bist, dass du einen Platz hast, dass es dir gut geht!“
Im November denken viele Christ:innen an Elisabeth von Thüringen. Sie kannte diese beiden Aspekte der Liebe gut und hat sie gelebt. Elisabeth wurde Anfang des 13. Jahrhunderts als Tochter des ungarischen Königs geboren. Schon als Kind wurde sie dem Sohn des Landgrafen von Thüringen zur Ehe versprochen, den sie dann mit 14 Jahren heiratete. Aus der glücklichen Ehe gingen drei Kinder hervor. Elisabeth kannte die romantische Liebe. Wer viel Liebe erfährt, kann viel Liebe verschenken. Regelmäßig ging sie von der Wartburg hinunter ins Tal, um die Menschen dort mit Lebensmitteln und Kleidern zu versorgen. So lebte Elisabeth die Liebe als Tat. Sie gab ihr die Kraft, angesichts all des Leides nicht mutlos zu werden. Nachdem ihr Ehemann in einem Krieg getötet wurde, widmete Elisabeth ihr ganzes weiteres Leben der Sorge um Arme, Alte und Kranke, bis sie mit erst 24 Jahren starb.
Die Arbeit in einem Altenpflegeheim ist oft herausfordernd und bringt an die eigenen Grenzen. Dann kann es von Vorteil sein, sich den zweiten Aspekt der Liebe vor Augen zu führen. Es kann hilfreich sein, zu der Person, die Unterstützung braucht, innerlich zu sagen: „Ich will, dass du bist, dass du einen Platz hast, dass es dir gut geht!“