Ist Seelsorge im Seniorenheim sinnvoll?

Von Hanjo Spang, Seelsorger für Alten- und Pflegeheime

Ende 2023 bezeichnete sich knapp die Hälfte der Bevölkerung Deutschlands als einer Religion zugehörig.

Angebote von Seelsorger:innen werden in Pflegeheimen oft nicht nachgefragt. Ist Seelsorge dort sinnvoll?
 
Religionszugehörigkeit und Kirchlichkeit nehmen ab, aber nicht die Bedeutung von Spiritualität. Spiritualität umfasst die Fülle der Möglichkeiten, sich als Teil eines größeren Ganzen zu erleben. Letztendlich heißt das, Sinn zu erleben.
 
Die Fähigkeit eines Menschen, sich als Teil eines größeren Ganzen zu sehen, bezeichne ich als „Seele“. Es tut „in der Seele gut“, sich selbst eingebunden in eine Gemeinschaft zu fühlen. Das Vermitteln dieses Gefühls ist daher schon Seelsorge. Traditionelle Seelsorge stellt die Gemeinschaft im Glauben oder mit Gott in den Mittelpunkt. Seelsorge in dem weiteren Sinn wird täglich in Pflegeheimen von Besuchsdiensten oder Pflegepersonal geleistet. So wie Papst Franziskus betont, sind Seelsorge und Sorge um den Leib untrennbar miteinander verbunden. Bei einem anderen Menschen für ganzheitliches Wohlergehen zu sorgen, ist Seelsorge und Leibsorge.
 
Ein anderer Bereich sinnvoller Seelsorge im Pflegeheim ist die Arbeit mit Angehörigen, denen das Gefühl vermittelt wird, einen lieben Menschen „abgeschoben“ zu haben oder sich zu wenig um diesen zu kümmern. Das Aufzeigen der dabei in einem Konflikt stehenden Werte der Beteiligten, kann entlastend sein und zu einer Entscheidung führen, die man besser vertreten kann.
 
Ebenso kann es in Situationen, in denen eine schwierige Entscheidung getroffen werden muss, beim Pflegepersonal zu mehr Verständnis führen, wenn miteinander streitende Werte bewusstgemacht werden. Die anstehende Entscheidung wird mit größerem Einverständnis gefällt. Das ist dann Seelsorge im ursprünglich gemeinten Sinn, nämlich Sorge für die eigene Seele.
 
Ansprechperson

Hanjo Spang

Seelsorger für Alten- und Pflegeheime