Von Hanjo Spang, Seelsorger für Alten- und Pflegeheime
Mit diesem Fest kann heute kaum jemand mehr etwas anfangen. Vielen ist die Bezeichnung „Vatertag“ näher.
Und das hat seine tiefe Berechtigung.
Denn Jesus, der Christus, hat seine endgültige Heimat in seinem Vater gefunden.
Der Ursprung des Festes liegt in einer Verlegenheit. Die Erzählungen vom Leben Jesu enden nicht mit dem Tod am Kreuz, sondern mit einer besonderen Erfahrung: Jesus lebt in ihnen. Eine solche Erfahrung kann man nur in Bildern ausdrücken. Diese Bilder besagen: Jesus lebt und ist gegenwärtig da. Aber wie soll die Erzählung jetzt weitergehen? Er konnte ja nicht ewig bleiben.
Jesus hat den Tod besiegt und konnte also auch nicht irgendwann friedlich sterben. So entstand das Bild, dass Jesus zum Himmel emporgehobenwurde und den Blicken entschwand.
Wo ist dieser Himmel? Irgendwo da oben?
Die englische Sprache kennt für Himmel zwei Worte, nämlich „sky“ und „heaven“. Den Himmel, den man sehen kann, an dem Vögel fliegen und Wolken ziehen, nennen die Engländer „sky“. Es ist eher ein Ort, von dem man sagt: „Da oben.“
Mit „heaven“ meinen sie einen Zustand, ähnlich wie im Deutschen der „Siebte Himmel“. „Im Himmel sein“ meint, in einen Zustand des Glücks zu sein. Den Zustand des höchsten Glücks, das niemals endet, und der Vollendung dessen, was hier auf der Erde nicht gelang, beschreibt der christliche Glaube mit den Worten: „bei Gott sein“.
Was passiert nach dem Tod? Was ist der Tod überhaupt?
Eine eigene Positionierung in diesen Fragen führt zu einem individuellen Umgang mit dem Tod, mit dem eigenen Tod und mit dem Tod anvertrauter Menschen, wie zum Beispiel in einem Pflegeheim. Oft hört man dann die Formulierung, diese Person „sei gegangen“. Aber wohin eigentlich? Einfach nur weg oder zu einem Ziel?
Wir wissen nicht, ob noch etwas „nach dem Tod“ kommt, aber für einen Sterbenden ist es entlastend zu hören, dass einen so etwas wie „Heimat“ erwartet. Und das ist nicht gelogen, denn darüber wissen tun wir nichts.
So möge der Vatertag ein Urbild für uns sein, dass wir unsere Heimat unsere eigentliche Heimat in Gott, dem Vater finden werden.