Von Hanjo Spang, Seelsorger für Alten- und Pflegeheime
Meine Mutter sagte oft: „Jede Kuh hat einen Geburtstag, aber nur Menschen haben einen Namenstag.“
Im Sommerurlaub auf einem Bauernhof im Allgäu entdeckte ich, dass der Bauer dort seinen Kühen einen Namen gab.
Ist der Name für Menschen etwas anderes als für Tiere? Für diese ist er nur eine Lautfolge, mit der sie gerufen werden. Menschen identifizieren sich mit ihrem Vornamen, lassen ihn deshalb auch manchmal ändern, wenn sie der Überzeugung sind, dass dieser nicht zu ihnen passt. In manchen Kulturen bekommt man erst beim Übergang zum Erwachsensein seinen endgültigen Namen. Dieser drückt aus, wer man eigentlich ist.
Getauft wurde ich auf den Namen Hans Josef. Gefeiert wurde mein Namenstag am 19. März, dem Gedenktag für Josef, dem Mann von Maria. Als junger Erwachsener fragte ich mich, ob nicht der Gedenktag für Johannes (dem prophetischen Täufer) für mich stimmiger wäre, weil ich mich mehr in diesem wiederfinden konnte. Dahinter stand die Suche nach einer Antwort auf die Frage: „Wer bin ich eigentlich?“ Heute nenne ich mich so, wie ich als Kind meistens gerufen wurde. „Hans Josef“ war zu lang, also bekam ich den Rufnamen Hanjo. Und ich sage nicht nur, dass ich so heiße, sondern dass ich das bin. Durch die Auseinandersetzung mit seinem Vornamen kann man mehr zu seiner Identität finden. Kühe sind nicht auf der Suche nach ihrer Identität, für sie hat ihr Name keine Bedeutung. Es ist egal, ob sie einen Namen haben oder nicht.
Es ist erhellend, sich über die Bedeutung seines Vornamens zu informieren oder nachzuforschen, welche Personen den Gleichen haben oder früher hatten. In Einrichtungen der Altenhilfe stellt sich immer wieder die Frage, wie man die Bewohner*innen anspricht. Der Vorname kann ein Gefühl von Vertrautheit auslösen, kann aber auch distanzlos wirken. Gerade bei dem Vorliegen dementieller Veränderungen bei einer Person fühlt sich diese bei der Nennung des Vornamens eher angesprochen.