Von Hanjo Spang, Seelsorger für Alten- und Pflegeheime
Jahreszeiten werden in unserer Kultur aufgrund der Tageslänge festgelegt.
Die längsten Tage läuten den Sommer, die kürzesten den Winter ein. Sind die Tage so lange wie die Nacht, ist das der Beginn von Frühling oder Herbst. So entstehen die astronomischen Jahreszeiten. Daneben gibt es die phänologischen Jahreszeiten, die sich nach Beobachtungen in der Natur richten. Der Frühling beginnt, wenn sich die ersten Blüten zeigen und das Leben in die Natur zurückkehrt.
In alten Kulturen war es Brauch, Anfang Februar die Göttin der Fruchtbarkeit symbolisch mit einer Lichterprozession zu suchen. Zu diesem Zeitpunkt war der größte Teil der dunklen Zeit im Jahr vorbei und der Frühling mit seinen Frühblühern wie Schneeglöckchen oder Krokus war fast „in Sichtweite“. Es war ein Fest der aufkeimenden Hoffnung auf pralles Leben, das Erstarrtes, Erkaltetes ablöst.
Das christliche Fest Mariä Lichtmess am 2. Februar steht in dieser Tradition: die Fruchtbarkeitsgöttin wurde durch Maria ersetzt und die Lichterprozession fand im Rahmen eines Gottesdienstes statt. Dieses im Grunde uralte Fest lädt uns mit seiner Symbolik dazu ein, immer wieder nach verlorengegangenem Leben in uns zu suchen und der Hoffnung auf einen neuen Frühling, auf ein pralles Leben Raum zu geben. Das Fest fordert dazu auf, sich Situationen in Erinnerung zu rufen, in denen man sich ganz lebendig, ganz voller Leben gefühlt hat. Ebenso haben erfüllte und unerfüllte Hoffnungen im Leben hier ihren Platz, erinnert zu werden.
Mit dem Alter schwindet die Hoffnung auf ein neues, pralles Leben. Zu deutlich sind die Anzeichen eines körperlichen Verfalls und damit die Hinweise auf den bevorstehenden Tod. Für viele Menschen ist „Tod“ ein Thema, das Ängste und Unsicherheit hervorruft. Deswegen wird es gern gemieden. Mariä Lichtmess möchte dazu verführen, am Jahreskreis für sich selbst zu erkennen, dass das eigene Leben trotz Tod im Winter nicht endet, sondern in einer anderen Form wieder Frühling feiert.